Jahrelang suchte der königliche Thronfolger nach einem Mädchen mit makellosen Beinen – und jede Bewerberin musste sich einer seltsamen Prüfung unterziehen.

by 04impress
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Vier Jahre lang suchte der Thronfolger nach einer Frau mit „perfekten Beinen“.

Hunderte wunderschöne Frauen hatten sich bereits in die seltsame Messvorrichtung gestellt. Doch keine einzige hatte den Test bestanden.

Dann kam Emma.

Sie war klein, kurvig und trug ein schlichtes burgunderrotes Kleid. Kaum hatten die anderen Kandidatinnen sie gesehen, begannen einige hinter vorgehaltener Hand zu tuscheln und zu kichern.

Niemand glaubte, dass ausgerechnet sie bestehen würde.  Und erst recht hätte niemand erwartet, dass ihr Testergebnis den Prinzen nach vier Jahren zum ersten Mal von seinem Stuhl aufstehen ließ.

Adrian war der einzige Thronerbe. Seit Jahren drängte der königliche Rat ihn dazu, endlich zu heiraten.

„Ihr könnt nicht ewig unverheiratet bleiben“, erinnerten sie ihn immer wieder.

Also kamen Frauen aus dem ganzen Königreich zum Palast.

Töchter wohlhabender Adelsfamilien, ausländische Prinzessinnen und Frauen, die für ihre außergewöhnliche Schönheit bekannt waren, hofften darauf, die zukünftige Königin zu werden.

Doch Adrian stellte eine ungewöhnliche Bedingung.

„Meine zukünftige Frau muss perfekte Beine haben.“

Die Nachricht verbreitete sich innerhalb weniger Tage im gesamten Königreich.

Manche hielten den Prinzen für verwöhnt. Andere waren überzeugt, dass dies nur eine weitere seltsame Forderung eines jungen Mannes war, dem noch nie jemand widersprochen hatte.

Adrian erklärte seine Entscheidung nicht.

Stattdessen beauftragte er einen alten Hofhandwerker namens Leon damit, eine merkwürdige Maschine zu bauen.

Sie bestand aus Holz und Metall und hatte zwei schmale Bereiche mit beweglichen Messplatten.

Jede Kandidatin musste hineintreten und mehrere Sekunden vollkommen still stehen.

Niemand wusste genau, was die Vorrichtung eigentlich maß.

Trotzdem bereiteten sich die Frauen wochenlang auf den Test vor.

Einige machten strenge Diäten.

Andere nahmen Tanzunterricht, um ihre Haltung und ihren Gang zu verbessern.

Mehrere ließen sich sogar besondere Schuhe anfertigen, die ihre Beine länger und schlanker wirken ließen.

Dann begann die Prüfung.

Eine Frau nach der anderen trat in die Maschine.

Leon überprüfte die Messwerte.

Adrian betrachtete das Ergebnis.

Und jedes Mal sagte er nur ein einziges Wort:

„Nächste.“

Vier Jahre lang.

Hunderte Frauen.

Keine bestand.

Bis Emma kam.

Am Morgen der nächsten Auswahl war die riesige Palasthalle voller elegant gekleideter Kandidatinnen. Teure Kleider, funkelnder Schmuck, perfekte Frisuren und einstudierte Lächeln bestimmten das Bild.

Ganz am Ende der Schlange stand Emma.

Sie passte überhaupt nicht zu den anderen.

Sie war klein und kurvig und trug ein schlichtes burgunderrotes Kleid. Sie hatte nicht versucht, dünner oder größer zu wirken. Sie schien auch nicht das geringste Bedürfnis zu haben, jemand anderes zu sein.

Als einige Kandidatinnen sie bemerkten, wechselten sie amüsiert Blicke.

„Will sie wirklich an dem Test teilnehmen?“

„Vielleicht hat ihr niemand gesagt, wonach sie hier suchen.“

Ein paar Frauen kicherten.

Emma hörte jedes Wort.

Doch sie sagte nichts.

Als sie schließlich an der Reihe war, betrachtete Leon sie etwas unsicher.

„Fräulein, die Vorrichtung ist ziemlich schmal. Es könnte für Sie etwas unbequem werden.“

Wieder war Gelächter aus der Reihe zu hören.

Emma sah den alten Handwerker ruhig an.

„Wenn die Regeln für alle gleich sind, möchte ich es trotzdem versuchen.“

Da geschah etwas Unerwartetes.

Adrian, der während der gesamten Auswahl fast regungslos dagesessen hatte, hob plötzlich den Kopf.

„Lassen Sie sie den Test machen.“

Sofort verstummte der gesamte Saal.

Emma trat auf die Maschine zu.

Vorsichtig stellte sie ihre Füße in die beiden goldfarbenen Bereiche.

Leon senkte die Messplatten.

Dann setzte er den Mechanismus in Gang.

Klick. Ein zweites metallisches Geräusch ertönte.

Leon blickte auf die Anzeigen.

Er erstarrte.

Dann überprüfte er die Werte noch einmal.

Und noch einmal.

Alle Augen waren auf ihn gerichtet.

Langsam drehte sich der alte Handwerker zu Adrian um.

„Eure Hoheit …“

Adrian stand sofort auf.

In vier Jahren war er wegen eines Testergebnisses noch nie aufgestanden.

„Was ist passiert?“

Leon schluckte.

„Sie hat bestanden.“

Ein Raunen ging durch den Saal.

Die Frauen, die noch wenige Minuten zuvor über Emma gelacht hatten, starrten sie nun fassungslos an.

Adrian ging zur Maschine.

„Erklären Sie es.“

Leon holte tief Luft.

„Eure Hoheit, es gibt etwas, das bisher keine der Kandidatinnen erfahren durfte.“

Im Saal wurde es vollkommen still.

„Diese Maschine misst nicht die Schönheit der Beine.“

Alle blickten ihn an.

Dann enthüllte Leon endlich die Wahrheit.

Vor einigen Jahren hatte Adrian bei einem Jagdausflug einen schweren Unfall erlitten.

Er erholte sich zwar wieder, doch die besten Ärzte des Königreichs stellten bei ihm eine seltene, vererbte Gelenkerkrankung fest.

Im Alltag beeinträchtigte sie ihn kaum. Doch es gab ein ernstes Problem.Es bestand eine erhebliche Wahrscheinlichkeit, dass Adrian die Veranlagung an seine zukünftigen Kinder weitergeben könnte.

Adrian wollte dieses Risiko so weit wie möglich reduzieren.

Dann entdeckte einer der Hofärzte etwas Ungewöhnliches.

Bestimmte körperliche Merkmale – insbesondere die Stellung der Füße und Knie – schienen mit einem deutlich geringeren Risiko für jene genetische Kombination verbunden zu sein, die bei seinen zukünftigen Kindern zu schwereren Beschwerden führen könnte.

Deshalb hatte Leon die Maschine gebaut.

Sie maß keine langen Beine.

Sie maß keine schlanken Beine.

Und schon gar nicht maß sie Schönheit.

Sie untersuchte die Stellung der Füße, die Ausrichtung der Knie und die Verteilung des Körpergewichts.

Adrian hatte bewusst zugelassen, dass das ganze Königreich glaubte, er suche nach schönen Beinen.

So konnte niemand die tatsächlichen Kriterien kennen und sich gezielt auf den Test vorbereiten.

Leon blickte erneut auf die Messwerte.

„Vier Jahre“, flüsterte er. „Hunderte Kandidatinnen. Und das ist das erste Ergebnis, das nahezu perfekt übereinstimmt.“

Emma sah Adrian fassungslos an.

„Also … müssen Sie mich jetzt heiraten?“

Im gesamten Saal herrschte Stille.

Alle Augen richteten sich auf den Prinzen.

Adrian sah Emma einige Sekunden lang an.

Dann lächelte er überraschend.

„Nein.“

Emma wirkte erleichtert.

Doch Adrian sprach weiter:

„Eine Maschine entscheidet nicht darüber, wen ich heiraten werde.“

Verwirrte Blicke wurden ausgetauscht.

„Aber“, fügte er hinzu, „zum ersten Mal seit vier Jahren habe ich jemanden gefunden, den ich wirklich kennenlernen möchte.“ Die Frauen, die über Emma gelacht hatten, senkten beschämt die Augen.

Emma lächelte.

Und an diesem Tag lernte der gesamte Palast eine Lektion, die niemand so schnell vergessen würde:

Manchmal ist ausgerechnet der Mensch, dem niemand eine Chance gibt, genau derjenige, auf den sich das Warten gelohnt hat.

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