Dieser winzige Balkon diente jahrelang als Abstellraum – zwei Monate später wollten die Nachbarn den Kontakt zum Designer

by 04impress
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Als Anna und Markus vor sieben Jahren in ihre Wohnung in Hannover einzogen, hatten sie große Pläne für den schmalen Balkon. Dort wollten sie morgens Kaffee trinken, Kräuter anbauen und an warmen Abenden zusammensitzen. Doch schon wenige Wochen nach dem Umzug standen die ersten Kartons draußen.

Später kamen ein altes Fahrrad, leere Blumentöpfe, ein Wäscheständer und übrig gebliebene Farbeimer hinzu. Irgendwann ließ sich die Balkontür nur noch halb öffnen. Der knapp vier Quadratmeter große Außenbereich war zu einem Lager geworden, in dem ständig Dinge verschwanden.

„Wir haben alles dort abgestellt, was in der Wohnung keinen festen Platz hatte“, erinnert sich Anna. „Mit jedem Jahr wurde es schwieriger, überhaupt etwas wiederzufinden.“

Erst als Wasser durch ein undichtes Fenster eindrang und mehrere Kartons beschädigte, fasste das Paar einen Entschluss: Der Balkon sollte vollständig geleert und renoviert werden.

Nach dem Ausräumen kam die Überraschung

An einem Samstagmorgen trugen Anna und Markus sämtliche Gegenstände in den Innenhof. Vieles konnte sofort entsorgt werden. Das Fahrrad wurde repariert und im Keller untergebracht, noch brauchbare Blumentöpfe verschenkten sie an Nachbarn.

Als der Balkon leer war, wirkte er deutlich größer – allerdings wurde nun auch sein schlechter Zustand sichtbar. Die Wände waren fleckig, an mehreren Stellen löste sich der Putz und die alten Bodenfliesen hatten ihren Glanz verloren. Rund um die Fenster befanden sich kleine Risse.

Da es sich um eine Mietwohnung handelte, besprachen sie alle geplanten Arbeiten zuerst mit dem Vermieter. Die Gebäudestruktur, das Geländer und die Fenster durften nicht verändert werden. Streichen, Ausbessern und das Verlegen eines rückstandslos entfernbaren Bodenbelags wurden jedoch erlaubt.

Die Renovierung begann mit den unspektakulären Arbeiten. Lose Farbschichten wurden abgeschabt, Risse verspachtelt und die Oberflächen gründlich gereinigt. Anschließend erhielten die Wände einen wetterbeständigen Anstrich in einem warmen Weißton.

Allein diese Arbeiten dauerten fast drei Wochen, da das Paar ausschließlich an den Wochenenden arbeitete und die Spachtelmasse bei feuchtem Wetter nur langsam trocknete.

Jeder Zentimeter musste sinnvoll genutzt werden

Das größte Problem war die geringe Breite des Balkons. Gewöhnliche Gartenmöbel hätten den Durchgang fast vollständig blockiert. Deshalb zeichnete Anna zunächst mehrere Varianten auf Papier und markierte die tatsächlichen Maße mit Klebeband auf dem Boden.

Schließlich entschieden sie sich für eine schmale Sitzbank mit integriertem Stauraum. Ein Tischler aus der Umgebung fertigte den Unterbau aus wetterfesten Platten. Darin verschwanden später Gießkanne, Pflanzenerde und einige kleine Werkzeuge.

Für den Boden verwendete das Paar helle, ineinandergreifende Terrassenelemente. Sie konnten direkt auf den gereinigten Fliesen verlegt werden, ohne diese dauerhaft zu verändern. Ein kleiner klappbarer Tisch und ein leichter Stuhl vervollständigten die Sitzecke.

Farbe brachten türkisfarbene Sitzpolster, senfgelbe Kissen und verschiedene Pflanzgefäße auf den Balkon. Statt den Boden mit großen Kübeln zuzustellen, nutzten Anna und Markus vor allem die Fensterbank und zwei sichere Wandhalterungen. Gepflanzt wurden Kräuter, Lavendel und robuste Grünpflanzen, die mit den Lichtverhältnissen zurechtkommen.

Eine neue elektrische Leitung war nicht notwendig. Für den Abend montierten sie eine schlichte, wiederaufladbare Wandleuchte, die sich ohne sichtbare Kabel nutzen lässt.

Zwei Monate Arbeit – und ein überschaubares Budget

Insgesamt dauerte die Umgestaltung acht Wochen. Nicht jeden Tag wurde gearbeitet. Mehrfach mussten Anna und Markus wegen Regens pausieren, außerdem verzögerte sich die Lieferung der maßgefertigten Bank.

Die gesamten Ausgaben lagen bei rund 1.700 Euro. Der größte Posten war die Sitzbank. Farbe, Spachtelmasse, Bodenbelag, Möbel, Pflanzen und Kissen machten den Rest aus. Durch die Eigenleistung blieben die Kosten deutlich niedriger als bei einer vollständigen Ausführung durch einen Handwerksbetrieb.

Das Ergebnis war dennoch kaum wiederzuerkennen. Aus dem vollgestellten Abstellraum war ein heller, aufgeräumter Platz geworden, der trotz seiner geringen Größe nicht beengt wirkte.

Wenige Tage nach Abschluss der Arbeiten bemerkten die ersten Nachbarn die Veränderung vom gegenüberliegenden Haus aus. Später klingelte sogar eine Bewohnerin aus dem oberen Stockwerk und fragte, welcher Innenarchitekt den Balkon geplant habe.

Anna musste lachen.

„Es gab keinen Designer“, erklärte sie. „Wir haben nur sehr genau gemessen und nichts gekauft, bevor wir wussten, wohin es kommt.“

Inzwischen nutzen Anna und Markus den Balkon fast täglich. Morgens steht dort eine Tasse Kaffee auf dem kleinen Tisch, am Wochenende wird die Bank zur Leseecke. Sogar der Stauraum ist geblieben – nur diesmal unsichtbar und ordentlich unter der Sitzfläche.

Für das Paar war die wichtigste Erkenntnis überraschend einfach: Nicht die geringe Fläche hatte den Balkon unbrauchbar gemacht, sondern die vielen Dinge, die dort jahrelang ohne Plan abgestellt worden waren. Erst nachdem alles verschwunden war, konnten sie erkennen, wie viel Platz tatsächlich vorhanden war.

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