„Mal sehen, Liebling, wie deine Mutter ohne mein Geld klarkommt!“, sagte Elia ruhig und blockierte die Nummer ihrer Schwiegermutter.
Nikos starrte sie an, als hätte sie gerade etwas Unverzeihliches getan.
„Du hast sie wirklich blockiert?“
Elia legte ihr Handy auf den Tisch.
„Ja.“
„Das ist meine Mutter.“
„Ich weiß.“
„Wie kannst du sie einfach blockieren?“
Elia sah ihn ruhig an.
„Genauso, wie sie mich seit Monaten wie einen Geldautomaten behandeln kann.“
Nikos schwieg.
Und plötzlich war die ganze Wohnung still.
Dabei hatte alles ganz harmlos angefangen.
Als Elia Nikos kennenlernte, war seine Mutter Katerina ihr gegenüber von Anfang an kühl gewesen.
Nie offen unfreundlich.
Im Gegenteil.
Vor anderen lächelte sie freundlich, sprach sanft und tat so, als würde sie alles nur aus Liebe zu ihrer Familie tun.
„Elia, wir sind doch eine Familie“, sagte sie ständig.
Nur hatte das Wort „Familie“ für Katerina offenbar eine sehr einseitige Bedeutung.
Wenn sie Geld für eine Rechnung brauchte, zahlte Elia.
Als ihre Waschmaschine kaputtging, überwies Elia das Geld für eine neue.
Als Katerina plötzlich ein neues Handy wollte, sagte Nikos:
„Schatz, wir könnten ihr doch helfen.“
Elia widersprach anfangs nicht.
Sie und Nikos verdienten beide gut, hatten keine Kinder und Elia verdiente etwas mehr als ihr Mann.
„Es ist ja nur Hilfe“, sagte sie sich jedes Mal.
Hundert Euro.
Dann zweihundert.
Dann fünfhundert.
Und eines Tages rief Katerina an.
„Elia, ich brauche Geld für die Miete.“
Elia überwies es.
Einen Monat später wiederholte sich alles.
Dann noch einmal.
Und noch einmal.
Irgendwann begann Elia, ein Muster zu erkennen.
Katerina hatte immer einen Grund, warum sie Geld brauchte.
Aber sie fragte nie, ob Elia und Nikos vielleicht selbst etwas brauchten.
Eines Abends setzte sich Elia mit ihrem Mann an den Küchentisch.
„Nikos, wir müssen über etwas reden.“
„Worüber?“
„Über das Geld, das wir deiner Mutter geben.“
Nikos seufzte.
„Schon wieder?“
„Ja. In den vergangenen elf Monaten haben wir ihr mehr als achttausend Euro überwiesen.“
Nikos sah sie überrascht an.
„So viel?“
Elia schob ihm die ausgedruckte Liste der Überweisungen zu.
„Ich wollte es selbst nicht glauben.“
Nikos ging die einzelnen Beträge durch.
„Mama hatte Probleme.“
„Ich weiß.“

„Ich konnte sie doch nicht einfach im Stich lassen.“
„Das verlange ich auch nicht. Aber wir können nicht dauerhaft ihre komplette finanzielle Absicherung sein.“
Nikos betrachtete die Liste lange.
Dann sagte er:
„Ich rede mit ihr.“
Elia hoffte, dass sich dadurch etwas ändern würde.
Doch nichts änderte sich.
Ein paar Tage später rief Katerina wieder an.
„Elia, ich brauche tausend Euro.“
„Wofür?“
Am anderen Ende herrschte kurz Stille.
„Das geht dich nichts an.“
„Wenn du mich um Geld bittest, möchte ich wissen, wofür du es brauchst.“
Katerina schnaubte.
„Seit wann muss ich mich vor dir rechtfertigen?“
Elia umklammerte das Handy.
„Seit du regelmäßig Geld von mir verlangst.“
„Du bist die Frau meines Sohnes. Du solltest deiner Familie helfen.“
„Das tue ich.“
„Nicht genug.“
Dieser Satz traf Elia härter, als sie erwartet hatte.
Sie beendete das Gespräch.
Noch am selben Abend sagte sie zu Nikos:
„Es reicht.“
„Was meinst du?“
„Ich werde ihr kein Geld mehr überweisen.“
Nikos sah sie ungläubig an.
„Elia …“
„Wenn wirklich etwas Schwerwiegendes passiert, können wir ihr natürlich helfen. Aber ich werde nicht jeden Monat ihre Ausgaben übernehmen.“
Nikos schwieg.
Am nächsten Morgen rief Katerina wieder an.
„Dein Mann hat mir erzählt, dass du mich nicht mehr unterstützen willst.“
„Ja.“
„Das ist doch ein Witz.“
„Nein.“
„Nach allem, was ich für euch getan habe?“
Elia musste kurz lächeln.
„Was genau hast du denn für uns getan?“
Katerina begann sofort, Kleinigkeiten aufzuzählen.
Sie hatte ihnen ein paar Mal Essen gekocht.
Sie hatte während eines Urlaubs auf die Wohnung aufgepasst.
Einmal hatte sie ein Paket für sie angenommen.
Elia hörte schweigend zu.
Dann sagte sie:
„Danke für all das. Aber ich schulde dir dafür kein Geld.“
Katerinas Stimme wurde lauter.
„Du bist undankbar!“
„Das kannst du so sehen.“
„Du wirst die Beziehung zwischen mir und meinem Sohn zerstören!“
„Das ist nicht meine Entscheidung.“
Katerina legte auf.
Elia legte das Handy beiseite.
Sie dachte, das Schlimmste sei vorbei.
Doch sie irrte sich.
Am Abend bekam Nikos eine Reihe von Nachrichten von seiner Mutter.
Katerina behauptete, Elia wolle sie aus der Familie drängen.
Nikos lief fast eine Stunde unruhig durch die Wohnung.
Schließlich sagte er:
„Meine Mutter fühlt sich von dir gedemütigt.“
Elia sah ihn an.
„Und ich fühle mich seit einem Jahr wie ihre Bank.“
„Sie ist meine Mutter.“
„Und ich bin deine Frau.“
Nikos schwieg.
Am nächsten Tag rief Katerina wieder an.
Elia ging nicht ran.
Noch einmal.
Dann ein drittes Mal.
Schließlich kam eine Nachricht:
„Wenn du mir das Geld nicht bis morgen überweist, muss ich mir woanders etwas leihen. Und dann werden alle erfahren, wie du wirklich bist.“
Elia las die Nachricht zweimal.
Sie antwortete nicht.
Stattdessen blockierte sie die Nummer.
Als Nikos nach Hause kam, sah er sofort, dass etwas passiert war.
„Du hast meine Mutter blockiert?“
„Ja.“
„Elia!“
„Ich werde keine Anrufe mehr entgegennehmen, in denen jemand von mir Geld fordert.“
Nikos ließ sich schwer auf einen Stuhl fallen.
„Und was machen wir jetzt?“
Elia sah ihm direkt in die Augen.
„Jetzt sehen wir, wie deine Mutter ohne mein Geld zurechtkommt.“
Ein paar Tage lang blieb es ruhig.
Dann passierte etwas, womit Elia nicht gerechnet hatte.
Nikos bat sie, mit ihm zur Bank zu gehen.
„Warum?“
„Ich will unsere gesamten Ausgaben sehen.“
Sie setzten sich gemeinsam vor den Computer und gingen die vergangenen Monate durch.
Als sie am Ende alles zusammengerechnet hatten, sagte Nikos lange nichts.
„Fast neuntausend Euro“, sagte er schließlich.
„Ja.“
„Und der größte Teil davon kam von dir.“
Elia nickte.
Nikos legte die Hände auf den Tisch.
„Ich dachte, du hilfst ihr einfach ab und zu.“
„Das dachte ich am Anfang auch.“
Er sah seine Frau an.
„Es tut mir leid.“
Diese drei Worte lösten nicht plötzlich alle Probleme.
Aber sie bedeuteten Elia viel.
Denn zum ersten Mal hatte Nikos verstanden, worum es ihr wirklich ging.
Eine Woche später stand Katerina plötzlich vor ihrer Wohnungstür.
Ihr Gesicht war ernst.
„Wir müssen reden.“
Elia öffnete die Tür weiter.
„Dann komm rein.“
Katerina trat ein.
Eine Weile sagte keine von beiden etwas.
Dann begann Katerina:
„Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, dass ich Hilfe gebraucht habe.“
„Das verlange ich auch nicht.“
„Was willst du dann?“
Elia sah sie ruhig an.
„Ich will, dass du aufhörst zu glauben, dass dir mein Geld zusteht.“
Katerina senkte den Blick.
„Ich wusste nicht, dass es dich so sehr belastet.“
Elia antwortete leise:
„Weil du mich nie gefragt hast.“
Katerina schwieg.
Nach einer Weile sagte sie:
„Ich werde versuchen, selbst zurechtzukommen.“
Elia nickte.
„Genau das wünsche ich mir.“
Es gab keinen großen Streit.
Keine Schreie.
Keine dramatische Szene.
Nur eine Grenze, die Elia endlich gezogen hatte.
In den nächsten Monaten fand Katerina eine zusätzliche Teilzeitstelle und begann, ihre Ausgaben besser zu planen.
Nikos half ihr gelegentlich noch, aber nicht mehr aus schlechtem Gewissen.
Und Elia?
Sie musste sich nie wieder dafür entschuldigen, Nein gesagt zu haben.
Eines Abends saßen sie und Nikos zusammen auf dem Sofa.
„Bereust du es, dass du meine Mutter blockiert hast?“, fragte er.
Elia lächelte.
„Nein.“
„Nicht einmal ein bisschen?“
„Ich habe deine Mutter nicht blockiert, weil ich sie nicht mag.“
Sie sah ihn an.
„Ich habe den Weg blockiert, auf dem sie versucht hat, mich auszunutzen.“
Nikos nickte langsam.
Diesmal versuchte er nicht, sie mit den Worten „Aber sie ist doch Familie“ umzustimmen.
Denn beide hatten inzwischen etwas verstanden: