Unter einem Berg aus Gerümpel entdeckten sie ein verrostetes Auto – sieben Monate später bot ein Sammler eine überraschende Summe

by 04impress
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Als Daniel Weber zum ersten Mal das alte Grundstück am Rand einer kleinen süddeutschen Gemeinde betrat, interessierte ihn das Garagengebäude kaum. Er war gemeinsam mit seiner Partnerin Laura gekommen, um den Erben beim Räumen des leer stehenden Hauses zu helfen. Das Wohngebäude sollte verkauft werden, doch zuvor mussten mehrere Jahrzehnte angesammelter Hausrat entsorgt werden.

Der frühere Besitzer, ein zurückgezogen lebender Mechaniker namens Karl Brenner, war zwei Jahre zuvor gestorben. Seine Nichte hatte zunächst versucht, das Grundstück selbst aufzuräumen. Nach einigen Wochen gab sie auf. Keller, Werkstatt und Garage waren bis unter die Decke mit Kartons, Reifen, alten Möbeln und Werkzeugen gefüllt.

Besonders schlimm sah es in der Garage aus. Die Tür ließ sich nur einen Spalt weit öffnen, weil von innen zahlreiche Gegenstände dagegengelehnt waren. Durch das schmutzige Fenster fiel kaum Licht.

„Wir dachten, dort würden nur noch mehr kaputte Schränke und Reifen liegen“, erinnerte sich Laura. „Niemand hatte damit gerechnet, dass sich darunter ein vollständiges Auto befand.“

Unter der Plane war zunächst nur ein Scheinwerfer zu erkennen

Daniel und Laura begannen an einem Samstagmorgen mit der Arbeit. Sie trugen Kartons hinaus, sortierten Metallteile und stapelten alte Reifen neben der Einfahrt. Nach fast drei Stunden stieß Daniel auf eine schwere, graue Plane. Darunter spürte er eine harte, gewölbte Oberfläche.

Als er die Plane an einer Ecke anhob, kam ein runder Scheinwerfer zum Vorschein. Daneben glänzte ein schmaler Streifen verchromten Metalls.

Erst nachdem weitere Kisten, Säcke und Bretter entfernt worden waren, erkannten die beiden die Umrisse eines klassischen Coupés. Das Fahrzeug stand auf platten Reifen und war von einer dicken Staubschicht bedeckt. Die Karosserie war großflächig verrostet, an den Radläufen blätterte das Metall, und unter dem Wagen lagen kleine Roststücke.

Die Nichte des früheren Besitzers wusste zwar, dass ihr Onkel früher mehrere Autos repariert hatte. Von diesem Coupé hatte sie jedoch nie gehört. In den Unterlagen des Hauses fanden sich weder aktuelle Zulassungspapiere noch ein Kaufvertrag.

„Mein erster Gedanke war, dass der Wagen nicht mehr zu retten ist“, sagte Daniel. „Die Bremsen waren fest, der Motor ließ sich nicht drehen, und an manchen Stellen konnte man den Rost mit der Hand ablösen.“

Trotzdem faszinierte ihn die elegante Form des Fahrzeugs. Das zweisitzige europäische Sportcoupé stammte vermutlich aus den späten 1960er-Jahren. Die lange Motorhaube, die flache Dachlinie und die doppelten Rundscheinwerfer erinnerten an jene Zeit, in der kleine Hersteller noch viele Karosserieteile in Handarbeit anfertigen ließen.

Ein alter Ordner erklärte, warum das Auto verschwunden war

Wenige Tage später entdeckte Laura in einem Metallschrank einen schmalen Ordner. Darin befanden sich alte Werkstattrechnungen, einige Schwarz-Weiß-Fotografien und ein bereits Jahrzehnte zuvor abgemeldeter Fahrzeugbrief.

So erfuhren sie, dass Karl Brenner das Coupé 1987 gekauft hatte. Damals war es bereits reparaturbedürftig gewesen. Er wollte es ursprünglich gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder restaurieren. Doch der Bruder starb kurze Zeit später bei einem Arbeitsunfall.

Danach hatte Karl das Projekt offenbar nicht mehr angerührt. Er stellte das Auto in die Garage, deckte es ab und begann, freie Flächen mit anderen Dingen zuzustellen. Mit jedem Jahr verschwand das Coupé tiefer unter dem Gerümpel.

Die Erbin hatte weder Zeit noch Interesse an einer aufwendigen Restaurierung. Nach Rücksprache mit einem Gutachter verkaufte sie Daniel das Fahrzeug zusammen mit den vorhandenen Ersatzteilen für einen niedrigen vierstelligen Betrag. Voraussetzung war, dass er die Garage vollständig räumte.

Damit begann ein Projekt, das deutlich schwieriger werden sollte, als Daniel zunächst angenommen hatte.

Schon die Bergung dauerte einen ganzen Tag

Weil sich keines der Räder bewegte, konnte das Coupé nicht einfach aus der Garage geschoben werden. Daniel löste zunächst die Bremsen und setzte das Fahrzeug vorsichtig auf Rollhilfen. Mit einer Handseilwinde zogen er und zwei Freunde den Wagen Zentimeter für Zentimeter nach vorne.

Erst im Tageslicht wurde das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar. Die Schweller waren an mehreren Stellen durchgerostet. Auch der Fahrzeugboden und die unteren Bereiche der Kotflügel mussten ersetzt werden. Im Motorraum hatten sich Mäuse eingenistet. Kabel, Schläuche und Dämmmaterial waren beschädigt.

Ein professioneller Restaurierungsbetrieb schätzte die Kosten auf mehr als 30.000 Euro. Für Daniel war diese Summe zu hoch. Er beschloss deshalb, einen großen Teil der Arbeit selbst zu erledigen. Schwierige Schweißarbeiten, die Überholung des Motors und die Lackierung überließ er jedoch Fachleuten.

„Bei einem solchen Auto kann falscher Ehrgeiz gefährlich werden“, erklärte er. „Wenn tragende Teile schlecht repariert werden, sieht das Fahrzeug vielleicht schön aus, ist aber nicht sicher.“

Unter dem Rost kam eine erstaunlich vollständige Karosserie hervor

In den ersten Wochen wurde das Coupé vollständig zerlegt. Sitze, Teppiche, Scheiben, Leuchten und Chromteile wurden ausgebaut und beschriftet eingelagert. Jede Schraube kam in einen eigenen Beutel. Daniel fotografierte alle Arbeitsschritte, damit später klar war, welches Teil an welche Stelle gehörte.

Der Motor wurde ausgebaut und geöffnet. Er war innen stark verschmutzt, aber überraschenderweise nicht gerissen. Kurbelwelle und Zylinder ließen sich aufarbeiten. Einige Dichtungen und Lager mussten ersetzt werden, doch der ursprüngliche Motor konnte erhalten bleiben.

Schwieriger war die Karosserie. Nachdem Farbe, Rost und alter Spachtel entfernt worden waren, zeigten sich zahlreiche frühere Reparaturen. An einer Seite hatte jemand in den 1970er-Jahren ein Blech direkt über eine beschädigte Stelle geschweißt. Darunter hatte sich Feuchtigkeit gesammelt.

Die schlechten Reparaturen wurden herausgetrennt. Anschließend fertigte ein Karosseriebauer passende Bleche an und schweißte sie Stück für Stück ein. Die ursprüngliche Form der Radläufe und Schweller sollte dabei möglichst genau erhalten bleiben.

Auch Laura arbeitete regelmäßig mit. Sie reinigte Beschläge, sortierte Teile und half beim Abschleifen kleinerer Karosserieelemente.

„Manchmal sah das Auto nach vier Monaten schlimmer aus als am ersten Tag“, sagte sie. „Es fehlten die Scheiben, die Räder, die Scheinwerfer und fast der gesamte Innenraum. Aber genau in dieser Phase konnte man erkennen, dass die Substanz wieder stabil wurde.“

Die ursprüngliche Farbe ließ sich nicht mehr eindeutig bestimmen

Unter mehreren Lackschichten fanden die Restaurierer Reste von Dunkelgrün, Rot und Beige. Aus den alten Unterlagen ging nicht hervor, in welcher Farbe das Coupé ursprünglich ausgeliefert worden war.

Daniel entschied sich schließlich für ein tiefes Smaragdgrün, das zu Fahrzeugen dieser Epoche passte. Es sollte weder zu modern noch übertrieben glänzend wirken. Vor der Lackierung erhielt die Karosserie eine Epoxidgrundierung. Danach wurden Unebenheiten korrigiert und sämtliche Spaltmaße überprüft.

Parallel dazu überarbeitete eine Sattlerei den Innenraum. Die alten Sitzgestelle konnten erhalten werden, die Polsterung war jedoch vollständig zerfallen. Daniel wählte hellbraunes Leder und ließ die ursprüngliche Form der Sitze nacharbeiten.

Viele Chromteile waren stark angegriffen. Einige ließen sich polieren, andere mussten neu verchromt werden. Für zwei fehlende Zierleisten suchte Daniel mehrere Wochen lang in europäischen Ersatzteilbörsen. Schließlich fand er passende gebrauchte Exemplare bei einem Sammler in Belgien.

Nach sieben Monaten lief der Motor zum ersten Mal wieder

Der entscheidende Moment kam an einem kühlen Samstagmorgen. Der überholte Motor war eingebaut, sämtliche Leitungen waren angeschlossen und die neue Batterie stand bereit.

Beim ersten Versuch drehte der Anlasser, doch der Motor sprang nicht an. Daniel entdeckte wenig später einen falsch angeschlossenen Zündkontakt. Beim zweiten Versuch hustete der Motor kurz. Beim dritten startete er und lief zunächst unruhig, stabilisierte sich aber nach wenigen Minuten.

„Wir hatten mit Problemen gerechnet“, erzählte Laura. „Als er plötzlich weiterlief, sagte niemand etwas. Wir standen einfach da und hörten zu.“

Es folgten mehrere Probefahrten auf einem abgeschlossenen Gelände. Bremsen und Lenkung wurden überprüft, der Vergaser neu eingestellt und kleinere Undichtigkeiten beseitigt. Erst danach erhielt das Coupé die technische Abnahme.

Die gesamte Restaurierung dauerte knapp sieben Monate. Daniel führte kein vollkommen genaues Kostenbuch, schätzte die Ausgaben für Material, Facharbeiten und Ersatzteile jedoch auf rund 22.000 Euro. Hinzu kamen mehrere Hundert Stunden Eigenarbeit.

Ein Sammler wollte den Wagen sofort kaufen

Kurz nach der Zulassung fuhr Daniel mit dem Coupé zu einem regionalen Oldtimertreffen. Er hatte den Wagen dort nicht zum Verkauf angeboten. Trotzdem sprach ihn ein Besucher an, der sich lange den Motorraum und die Unterseite ansah.

Der Mann sammelte seltene europäische Coupés und kannte offenbar mehrere Fahrzeuge aus derselben Baureihe. Besonders beeindruckte ihn, dass Motor, Fahrgestell und zahlreiche Innenraumteile erhalten geblieben waren.

Nach einem längeren Gespräch bot er Daniel 47.000 Euro für das Auto. Sollte eine unabhängige Prüfung den Zustand bestätigen, wollte er den Kauf innerhalb weniger Tage abschließen.

Daniel lehnte zunächst ab.

„Das Angebot war deutlich höher, als wir erwartet hatten“, sagte er. „Natürlich denkt man in so einem Moment darüber nach. Aber nach sieben Monaten war der Wagen für uns nicht mehr einfach nur ein Gegenstand.“

Der Sammler hinterließ trotzdem seine Telefonnummer. Sein Angebot gelte weiterhin, erklärte er.

Daniel und Laura fahren das Coupé inzwischen nur bei trockenem Wetter. Für den Winter steht es wieder in derselben Garage, in der es jahrzehntelang unter Gerümpel verborgen gewesen war. Die Garage wurde aufgeräumt, aber bewusst nicht vollständig modernisiert. Einige alte Werkzeuge des früheren Besitzers hängen noch immer an der Wand.

Auf einem Regal steht außerdem eine der Schwarz-Weiß-Fotografien aus Karls Ordner. Sie zeigt das Coupé viele Jahre vor seinem Verschwinden – damals noch sauber, vollständig und fahrbereit.

Heute sieht das Auto wieder fast genauso aus. Nur die Farbe ist eine andere.

Hinweis: Die Bildaufnahmen stellen die einzelnen Phasen der Restaurierung rekonstruiert dar.

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