Als Lena und Tobias ihre Wohnung in Dresden kauften, war ihnen sofort klar, dass das Badezimmer renoviert werden musste. Die Fliesen waren alt, die Armaturen abgenutzt und die Badewanne nahm fast die gesamte hintere Wand ein. Das eigentliche Problem war jedoch die Größe: Der Raum maß nur knapp vier Quadratmeter.
Direkt neben dem Eingang standen ein breites Standwaschbecken und die Toilette. Gegenüber befand sich ein Heizkörper, während die Badewanne quer unter dem schmalen Milchglasfenster eingebaut war. Dazwischen blieb kaum genügend Platz, um sich umzudrehen.
Besonders unpraktisch war die Tür. Sie öffnete sich nach innen und blockierte dabei einen großen Teil der ohnehin kleinen Bewegungsfläche. Wer das Badezimmer betrat, musste die Tür zunächst fast vollständig schließen, bevor er das Waschbecken oder die Toilette erreichen konnte.
Mehrere Handwerker, die sich den Raum ansahen, empfahlen eine einfache Modernisierung ohne größere Veränderungen. Die alten Sanitärobjekte sollten durch neue Modelle an denselben Positionen ersetzt werden. Für Lena und Tobias war das jedoch keine überzeugende Lösung. Das Badezimmer wäre anschließend zwar neuer, aber weiterhin genauso eng gewesen.
Deshalb baten sie die Innenarchitektin Klara um einen Entwurf. Bei ihrem ersten Besuch maß sie nicht nur die Wände und Anschlüsse aus. Sie beobachtete auch genau, wie man sich im Raum bewegen musste.

Nach wenigen Minuten zeigte sie auf die Tür.
„Das ist nicht nur ein Eingang“, erklärte sie. „Im geöffneten Zustand nimmt sie fast einen Quadratmeter Bewegungsfläche weg.“
Ihr Vorschlag war überraschend einfach: Die normale Drehtür sollte durch eine Schiebetür ersetzt werden, die beim Öffnen in einer vorbereiteten Wandtasche verschwindet. Dadurch würde der gesamte Eingangsbereich frei bleiben.
Diese eine Änderung bildete die Grundlage für die restliche Planung.
Nachdem die alte Tür nicht mehr in den Raum schwenken musste, konnten Waschbecken und Toilette kompakter angeordnet werden. Gleichzeitig entstand ausreichend Platz, um die schwere Badewanne zu entfernen und durch eine bodengleiche Dusche zu ersetzen.
Vor Beginn der Arbeiten wurde das Badezimmer vollständig ausgeräumt. Die Handwerker entfernten die Badewanne, das Standwaschbecken, die Toilette sowie die alten Wand- und Bodenfliesen. Unter der Wanne kamen stark verkalkte, aber noch dichte Leitungen zum Vorschein.
Eine genauere Untersuchung zeigte, dass Teile der Wasserinstallation erneuert werden mussten. Die Rohre waren zwar nicht beschädigt, entsprachen jedoch nicht mehr dem heutigen Standard. Da die Wände ohnehin geöffnet waren, entschieden sich die Eigentümer für einen Austausch.
Auch beim Boden war zusätzliche Arbeit erforderlich. Nach dem Entfernen der alten Fliesen stellte sich heraus, dass der Untergrund uneben war. Für die geplante bodengleiche Dusche musste er neu aufgebaut und mit einem leichten Gefälle zum Ablauf versehen werden.
Die Bauarbeiten dauerten deshalb einige Tage länger als ursprünglich vorgesehen. Trotzdem hielten Klara und die Handwerker an der geplanten Raumaufteilung fest.
Die neue Dusche entstand an der Stelle der früheren Badewanne. Eine einzelne rahmenlose Glaswand trennt sie heute vom restlichen Badezimmer. Auf eine geschlossene Kabine wurde bewusst verzichtet, weil zusätzliche Profile und Türen den Raum optisch wieder verkleinert hätten.
Die Toilette wurde durch ein wandhängendes Modell ersetzt. Der Spülkasten verschwand in einer schmalen Vorwand, deren obere Fläche gleichzeitig als Ablage dient. Dort finden nun Handtücher, Pflegeprodukte und eine kleine Pflanze Platz.
Gegenüber montierten die Handwerker einen nur 45 Zentimeter tiefen, schwebenden Waschtischunterschrank aus hellem Holz. Er bietet genügend Stauraum für die wichtigsten Dinge, ohne bis auf den Boden zu reichen. Weil die Bodenfläche darunter sichtbar bleibt, wirkt das Bad weniger vollgestellt.

Über dem Waschbecken wurde ein großer, fast wandbreiter Spiegel angebracht. Er reflektiert das Licht des Milchglasfensters und lässt die gegenüberliegende Wand optisch zurücktreten. Eine integrierte Beleuchtung sorgt am Abend für gleichmäßiges Licht, ohne dass zusätzliche Lampen Platz beanspruchen.
Für die Wände wählte Klara schmale, senkrecht verlegte Fliesen in einem warmen Cremeweiß. Das vertikale Format lässt die niedrige Wand höher erscheinen. Der Boden erhielt größere, hellgraue Fliesen mit matter Oberfläche, die auch bei Nässe ausreichend Halt bieten.
Der vorhandene Heizkörper blieb an seinem ursprünglichen Platz. Ein Versetzen hätte zusätzliche Kosten verursacht und war für die neue Aufteilung nicht notwendig. Er wurde lediglich gereinigt und neu lackiert.
Auf auffällige Dekorationen verzichteten die Eigentümer. Zwei grüne Handtücher, ein Seifenspender und eine kleine Pflanze setzen dezente Farbakzente. Sämtliche anderen Gegenstände verschwinden im Waschtischunterschrank oder in einer flachen Spiegelschranknische.
Die Schiebetür war technisch der aufwendigste Teil des Projekts. Ein Abschnitt der Wand musste geöffnet und verstärkt werden, damit das Türblatt vollständig darin verschwinden konnte. Bevor die Arbeiten begannen, prüfte ein Fachmann, ob sich in diesem Bereich Strom- oder Wasserleitungen befanden.
Nach knapp fünf Wochen war die Renovierung abgeschlossen.
Als Lena das fertige Badezimmer zum ersten Mal betrat, fiel ihr nicht zuerst die neue Dusche oder der große Spiegel auf. Sie bemerkte, dass sie einfach hineingehen konnte, ohne einer Tür ausweichen zu müssen.
Der Raum war immer noch exakt vier Quadratmeter groß. Keine Wand war versetzt und kein angrenzendes Zimmer verkleinert worden. Trotzdem wirkte das Bad wesentlich offener als zuvor.
Die bodengleiche Dusche ließ den Boden optisch durchgehend erscheinen. Das wandhängende WC und der schwebende Waschtisch gaben mehr Fläche frei. Der große Spiegel verteilte das Tageslicht im gesamten Raum. Entscheidend war jedoch die neue Tür, denn erst sie hatte diese Anordnung ermöglicht.

Die komplette Renovierung kostete rund 12.500 Euro. Darin enthalten waren der Rückbau, neue Wasserleitungen, die Abdichtung, Fliesenarbeiten, Sanitärobjekte, der maßgefertigte Waschtisch und der Einbau der Schiebetür.
Lena und Tobias entschieden sich bewusst gegen besonders teure Armaturen oder Naturstein. Der größte Teil des Budgets floss in die technische Erneuerung und in Möbel, die genau an die Maße des kleinen Raumes angepasst wurden.
Einige Wochen später besuchte die frühere Eigentümerin die Wohnung, um noch vorhandene Unterlagen abzuholen. Als sie das Badezimmer sah, blieb sie überrascht im Eingang stehen.
Sie war überzeugt, dass die Tür versetzt oder ein Teil des Flurs in das Bad integriert worden war. Erst nachdem Tobias ihr die ursprünglichen Maße zeigte, glaubte sie, dass die Grundfläche unverändert geblieben war.
Das Ergebnis zeigt, dass ein kleines Badezimmer nicht zwangsläufig größere bauliche Eingriffe benötigt. Manchmal reicht es, das Element zu finden, das die Nutzung des Raumes am stärksten behindert.
In diesem Fall war es weder die Badewanne noch das Waschbecken. Es war eine gewöhnliche Tür, die jahrzehntelang in die falsche Richtung geöffnet wurde.